ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ
Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Anästhesiologie & Intensivmedizin

Koma, hepatisches: Diagnose

Koma, hepatisches

Definition

Durch mangelhafte Entgiftungsfunktion bei schwerer Leberfunktionsstörung verursachte Bewusstseinsstörung; Schädigung des ZNS durch NH3, Amine, Phenolkörper u. a.

 

Pathogenetische Mechanismen noch nicht endgültig geklärt. In der klinischen Praxis wird unterschieden:

 

Leberausfallkoma
(bei chronischen Lebererkrankungen)

Eventuell als Folge von im Darm gebildeten toxischen Substanzen (z. B. Ammoniak, Phenole etc.) die unter Umgehung der Leber (Kollateralkreislauf spontan oder nach Anastomosenoperation) direkt in die Systemzirkulation und damit zum Gehirn (ZNS) gelangen.

Ursachen
  • Gastrointestinale Blutungen (Ösophagusvarizen, Ulcus duodeni)
  • insuffiziente Flüssigkeitsaufnahme
  • Diuretika-Überdosierung
  • chirurgische Eingriffe
  • Alkoholabusus
  • reichliche perorale Eiweißaufnahme
  • Infektionen
  • Erbrechen
  • Durchfälle
  • Obstipation
  • Medikamente: Sedativa, Narkotika, Opiate, Methionin, Tetrazykline

Leberzerfallkoma
(bei akuten Lebererkrankungen)

Ausfall der Stoffwechselleistung der Leber mit toxischer oder metabolischer Störung der ZNS-Funktion.

Ursachen
  • Akute Virushepatitis
  • Toxisch bedingte Lebernekrose (z. B. Knollenblätterpilze, Tetrachlorkohlenstoff, Paracetamol)
  • Hypoxämische Lebernekrose
  • Schockleber (sehr selten)
Kardinalsymptome

(bei massivem Leberzelluntergang)

  • Ikterus
  • Foetor hepaticus
  • neurologische Störungen
  • terminale Hyponatriämie
  • Eiweißstoffwechselstörungen
  • endokrine Störungen
Neurologisch-psychische Veränderungen bei Leberkoma (alle Formen)

Präkoma

  • Zu Beginn übermäßiges Schlafbedürfnis, Schlafrhythmusstörungen
  • Apathie
  • Abnahme der Reaktionsgeschwindigkeit
  • Zahlenverbindungstest > 60 Sek.
  • Absinken der kritischen Flimmerfrequenz (CFF) - Desorientiertheit;

 

Koma

  • Delirium
  • Bewusstlosigkeit

 

Persönlichkeitswandel

  • leicht euphorische Stimmungslage
  • Verlust des Verantwortungsgefühls

 

Intellektueller Abbau

Verlangsamung der Sprache

 

Neurologische Abnormitäten

  • "Flapping-tremor" (nicht im Koma) mit Schriftdeformierungen
  • Reflexsteigerungen
  • Apraxie

Komastadien

Stadium 0 mentale Ausfälle bei Intelligenzleistungen (= sog. latente Enzephalopathie)
Stadium I Lethargie und Asterixis
Stadium II Desorientiertheit
Stadium III Erweckbar aus Stupor
Stadium IV Tiefes Koma
Diagnostik
  • EEG: von mäßig langsamen a-Rhythmen bei Präkoma bis zu 90 % 3/s oder 90 % 2/s Delta-Wellen
  • Blut: Ammoniak erhöht, Gerinnungsfaktoren erniedrigt
  • Liquor: Glutamin und Fettsäuren erhöht
Differentialdiagnose
  • Andere Komaformen
  • Hyponatriämie (Apathie, Kopfschmerz, Erbrechen, Hypotonie), evtl. zusammen mit hepatischem Koma (natriumarme Diät, Saluretika)
  • Akute Alkoholintoxikation
  • Endogene Psychosen
  • Subdurales Hämatom (bei Gerinnungsstörungen genügen schon Bagatelltraumen)
Noch keine Bewertungen vorhanden
Letztes Update:27 Februar, 2009 - 11:16